– und warum Klarheit der eigentliche Schlüssel ist
Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Du übst regelmäßig. Du investierst Zeit. Du hast aber trotzdem das Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Der hohe Ton gelingt nur manchmal.
Eine Passage fühlt sich jeden Tag anders an.
Oder du singst seit Wochen dieselben Übungen – ohne zu wissen, ob sie überhaupt etwas verändern.
Viele Sängerinnen und Sänger ziehen dann einen naheliegenden Schluss: Ich müsste einfach noch mehr üben.
Dabei liegt das Problem oft gar nicht in der Übungsmenge.
Sondern darin, dass nicht klar ist, was eine bestimmte Übung eigentlich genau bewirken soll.
Üben ist kein Selbstzweck
Viele Sängerinnen und Sänger wiederholen eine schwierige Stelle immer wieder. Dabei wäre es oft hilfreicher, sie zunächst aus dem Song herauszulösen und neugierig zu erforschen. Ich nenne diesen Prozess Singplorieren.
Singplorieren bedeutet, eine schwierige Stelle neugierig zu erforschen, statt sie nur immer wieder zu wiederholen.
Wir nehmen den gesangstechnischen Baustein, der gerade fehlt, für einen Moment aus dem Song heraus und untersuchen ihn mit dem ganzen Singkörper. Erst wenn daraus eine funktionierende Erfahrung geworden ist, setzen wir ihn wieder in den Song ein.
Währenddessen fragen wir uns:
Was funktioniert bereits zuverlässig?
Was könnte ich verändern, damit es besser funktioniert?
Was verändert sich gerade?
Wie komme ich wieder genau an diesen Punkt?
Wiederholungen sind deshalb keineswegs unwichtig – ganz im Gegenteil. Meist wird sogar eher zu wenig wiederholt als zu viel. Entscheidend ist jedoch, was wir wiederholen und wie wir dabei vorgehen.
Die entscheidenden Veränderungen werden oft unterschätzt
Das Faszinierende an der Stimme ist: Die großen Fortschritten passieren im Kleinen.
Man muss lernen, die kleinen Verbesserungen deutlich wahrzunehmen. Erst dann lassen sich daraus die nächsten Schritte ableiten.
Vielleicht fühlt sich ein Ton plötzlich etwas leichter an.
Vielleicht bleibt der Hals entspannt.
Vielleicht entsteht zum ersten Mal das Gefühl, dass der Klang freier schwingt.
Von außen sind das oft nur Nuancen.
Für die weitere Entwicklung können genau diese Nuancen aber entscheidend sein.
Wer lernt, solche Veränderungen bewusst wahrzunehmen, entwickelt nach und nach einen immer feineren Zugang zur eigenen Stimme. Diesen Zugang nenne ich Singsinn.
Ein gut entwickelter Singsinn hilft dir, funktionale Zusammenhänge schneller zu erkennen, neue Klangzugänge bewusster aufzubauen und auch in unbekannten Situationen stimmlich sicherer zu reagieren. Du sammelst dabei funktionierende stimmliche Erfahrungen, auf die dein Singsinn immer wieder zurückgreifen kann.
Genau darin liegt für mich Vocal Empowerment.
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